Bi nid fertig, ha ersch agfange

In der Velowerkstatt lerne ich jeden Tag etwas dazu – über Velos und darüber, was ich mir zutraue.

Seit ein paar Wochen arbeite ich in der Velowerkstatt von intact. Mein Tag beginnt um 8 Uhr. Ich fahre mit dem Velo durch das Steinhofquartier zur Werkstatt hinter dem Bahnhof. Im Winter war es dabei noch dunkel und kalt. Jetzt wird es morgens wieder heller, und das macht es für mich etwas einfacher, aufzustehen und loszufahren.

Dass ich mit dem Velo zur Arbeit komme, ist praktisch. Wenn einmal etwas kaputtgeht, kann ich es direkt selbst reparieren. Mittlerweile schaffe ich gewisse Arbeiten schon alleine. Am Schluss schaut jemand aus dem Profi-Team darüber. Ich versuche immer zuerst, selbst eine Lösung zu finden. Wenn ich nicht weiterkomme, ist aber jemand da, den ich fragen kann. Das gibt mir Sicherheit.

An der Arbeit mit Velos mag ich besonders, dass ich sehe, was ich gemacht habe. Wenn ein altes Fahrrad nicht mehr als Occasionvelo aufbereitet werden kann, nehmen wir es auseinander und sortieren die Teile. Ich achte zum Beispiel darauf, das Plastik von den Bremskabeln zu lösen, damit die Materialien richtig getrennt werden können.

Gerne reinige ich auch die Velos der Kundschaft. Manchmal sind sie ziemlich dreckig. Danach glänzen sie wieder und sogar die Reflektoren an den Pedalen sind wieder gut sichtbar. Wenn die Leute ihr Velo abholen und sich freuen, macht mich das stolz.

Diese Woche arbeite ich an einem gespendeten Velo, das später als Occasionvelo verkauft werden soll. Zuerst prüfe ich den Rahmen auf Risse und reinige das Velo gründlich. Danach mache ich eine kurze Probefahrt und achte darauf, wie Bremsen, Schaltung und Kette funktionieren. Anschliessend erkläre ich jemandem aus dem Profi-Team, was mir aufgefallen ist und wie ich vorgehen würde. Oft müssen Bremsbeläge, eine verrostete Kette oder brüchige Pneus ersetzt werden. Manchmal kommen auch neue Handgriffe oder ein anderer Sattel dazu. Am Schluss öle ich die beweglichen Teile, pumpe die Reifen auf den richtigen Druck und lasse das Velo nochmals kontrollieren.

Zur Werkstatt gehören für mich auch die Gespräche mit den anderen. Um 10 Uhr machen wir immer eine kurze Pause. Die meisten trinken Kaffee, ich sitze mit meinem Energy-Drink daneben. Am Mittag wärme ich das Essen auf, das ich am Vorabend gekocht habe. So habe ich jeden Tag etwas Warmes dabei.

Im Moment warte ich auf die Antwort zu zwei Bewerbungen. Ich wünsche mir eine feste Stelle, auch wenn ich die Menschen hier vermissen würde. Und irgendwann möchte ich mit meinem Velo bis ans Meer fahren. Noch bin ich nicht dort. Aber ich bin auch noch nicht fertig. Ich habe erst angefangen.